Schenkkreise - Augen auf!

Schenkkreise oder Herzkreise sind eine Variante der sog. Schneeball- oder Pyramidensysteme.
Neue Teilnehmer "schenken" nach ihrem Eintritt in die Gruppe anderen Mitgliedern, die bereits länger dabei sind, Geld. Sie haben dabei die Hoffnung, nach einem Aufstieg in der Systemhierarchie, selbst "beschenkt" zu werden.
Die Bezeichnungen solcher Kreise wechseln. Für die Wahl der Namen kommt es auf die Opferzielgruppe (Frauen, Unternehmer, Esoteriker etc.) ebenso an, wie auf das Bemühen der jeweiligen Betreiber, sich von schon bekannten Kreisen wenigstens durch die Bezeichnung abzugrenzen. Schenkkreise heißen auch Herzkreis, Frauenkreis, Unternehmerkreis, Tafelrunde, Sonnenkreis, Sterntaler, Goldregen `Frauen helfen Frauen` usw.
Aufbau und Ablauf sind immer gleich. Lediglich die Darstellung wechselt. Es gibt immer Stufen oder Ebenen. Die Regel sind vier Ebenen. Die Einsteigerebene hat dann 8 Plätze. die nächste Ebene hat vier Plätze, die nächste Ebene hat sodann zwei Plätze und die letzte Ebene hat einen Platz.
Dieser Aufbau legt eine umgekehrt pyramidenförmige Darstellung nahe, bei der die Spitze unten ist. Es gibt aber auch kreisförmige Darstellungen, bei der die Ebenen durch konzentrische Kreise dargestellt werden, oder Systeme bei denen der Einserplatz in einem liegenden Dreieck rechts oder links abgebildet wird. Solch ein Aufbau wird, wie er auch immer dargestellt wird, "Chart" genannt.
Der einzelne Platz in der letzten Ebene ist die "Mitte", die "Poleposition" oder schlicht der "Chartführer". Die Teilnehmer auf diesem Platz lassen sich von den Neuen, die in der Einsteigerebene dazu gekommen sind, mit einem festgesetzten Geldbetrag "beschenken". In der Praxis kommen Beträge bis zu 10.000,- Euro pro Platz vor. Es soll allerdings in Frankfurt auch einen Kreis gegeben, bei dem die Plätze mit 100.000,- € dotiert gewesen sein sollen. Zu Beginn gab es meist noch eine Begrenzung auf 5000,- € pro Schenkbeziehung, weil dieser Betrag dann noch im Bereich der Freibeträge der Schenkungssteuer liegt, dies wurde später aber kaum mehr beachtet, nachdem sich herumgsprochen hatte, daß viele Finanzämter an diesen "Einnahmen" kein Interesse hatten.
Um den Kreis am Laufen zu halten, müssen immer mehr Teilnehmer angeworben werden. Nach 10 Runden müssten 4.096 neue Teilnehmer vorhanden sein, damit alle bis dahin gegründeten Kreise neue Teilnehmer auf der vierten Stufe erhalten. Wollen diese 4.096 neuen Teilnehmer irgendwann einmal auf der ersten Stufe stehen, müssten danach schon weitere 32.768 neue Teilnehmer angeworben werden.
Die Rechtsprechung in Deutschland hat solche Kreise sehr schnell als sittenwidrig eingestuft und damit der Rückforderung der eingezahlten Beträge die Bahn geebnet. Im Jahr 2002 kamen die ersten Fälle dieser Art bei Rechtsanwalt Käs auf den Tisch. Im Jahr 2003 hat er sodann erste Urteile zugunsten von ihr Geld zurück fordernden Teilnehmern erstritten. Seither hat die Nachfrage nach Beratung und Rechtsdurchsetzung nicht nachgelassen. Die Bearbeitung solcher Fälle zählt seither zum Tagesablauf der Kanzlei und so hat sich auch ein Erfahrungsschatz angesammelt, über den auf diesem Gebiet nicht viele Anwälte vergleichbar verfügen.
Die Betreiber solcher Schenkkreise haben natürlich Gegenmaßnahmen versucht. "Schenkungsurkunden" mit Verzichtsklauseln wurden ebenso entworfen, wie sog. "Chartteilnehmererklärungen", bei denen man mit seiner Unterschrift bestätigt, alle Ansprüche aufzugeben. Alle diese "Urkunden", Erklärungen und "Verträge" sind nichtig. Wir haben in der Kanzlei eine mehrere Ordner füllende Sammlung aller solcher Papiere und Gutachten. Schließlich hat man auch Auffangvereine gegründet und den Teilnehmern erklärt, sie würden ihre Chance, ihren Einsatz zurück zu bekommen, verlieren, wenn sie nicht einträten. Gleichzeitig hat man dann versucht, den Opfern Aufnahmeerklärungen unterzuschieben, in denen sie auf alle Ansprüche gegen die von ihnen beschenkten Personen verzichteten. Auch solche Versuche hatten und haben vor den Gerichten keine Chance.
Derzeit aktuell: Schenkkreise in türkischem Umfeld. Die Betreiber nutzen dabei den Umstand, daß viele Türken ihren Landsleuten ein besonderes Vertrauen entgegen bringen. Weiter wird darauf gebaut, daß die Türken in Deutschland viel weniger deutsche Medien nutzen, als man allgemein glaubt. Nach Aussage unserer türkischen Mandanten kommt das Thema "Schenkkreise" in den hier verfügbaren türkischen Medien so gut wie nicht vor.
Für weitere Informationen zur Schenkkreisproblematik und für nichtjuristische Hilfestellungen beim Ausstieg verweisen wir gerne auf die Selbsthilfeorganisation der Schenkkreisgeschädigten, die I.G.S.G.

